ANGELN.de / Angel-Wiki

Wattwurm

Du möchtest auf dieser Seite kommentieren oder dich mit anderen Usern austauschen?
Dann logge dich ein oder registriere dich.

Beschreibung

Was für den Stipper die Made, das ist für den Meeresangler der Wattwurm: Alle Meeresfische mögen ihn, und ohne ihn geht oftmals nichts. 

 

Es gibt eine ganze Palette verschiedenster Meeresköder. Fragt man jedoch eingefleischte Meeresangler, auf welchen Naturköder sie niemals verzichten würden, antworten die meisten ganz sicher: Wattwurm. Es gibt praktisch keinen Meeresköder, der so sicher so viele verschiedene Fischarten fängt wie der Wattwurm. Englands Wrackdorschangler garnieren ihre Tintenfische ebenso mit einem Wattwurm wie die holländischen Uptidefischer ihren Seeringelwurm. In den norwegischen Fjorden hat er schon manche verkorksten Pilk-Tag mit einer Kiste Schellfische und Wittlinge doch noch gerettet. Und an der deutschen oder dänischen Ostsee scheint Brandungsangeln ohne Wattwurm undenkbar.

Der Geruch macht’s

Doch was ist dran an diesem eher unscheinbaren Bodenbewohner der Nord- und Ostsee, dessen Vorhandensein sich unschwer an den typischen Sandkringeln auf dem Meeresgrund feststellen läßt? Ein Wattwurm lockt nämlich nicht durch schnelle Bewegung, weil er am Haken sehr schnell stirbt. Und er lockt auch nicht durch sein Aussehen. Weil er sehr weich ist, kommt er bei Weitwürfen in der Brandung oftmals nicht einmal als erkennbarer Wattwurm bei den Fischen an. Er wird durch die Wucht des Wurfes vielmehr zu einem unförmigen, braunschwarzen Klumpen zusammengestaucht. Deswegen zieht man sie übrigens am besten mit einer speziellen Hohlnadel - der Wattwurmnadel – im Ganzen auf Haken und Vorfach. 

Was ist es also? Es ist sein Geruch, der die Fische anlockt: der Duft, den er durch seinen gelblichen, jodhaltigen Körpersaft verbreitet. Dieser Geruch ist unter Wasser so wirksam, dass sich die Fängigkeit vieler anderer Meeresköder schon allein dadurch schlagartig steigern läßt, indem man einen Wattwurm mit auf den Haken steckt.

Licht und Schatten

Doch wo so viel Licht ist, da ist auch Schatten: Wattwürmer sind sehr empfindlich. Sie lassen sich in einer Holzkiste zwischen Lagen aus mit Seewasser angefeuchtetem Sackleinen, Papier oder Seetang höchstens zwei bis drei Tagen halten, wenn sie im Kühlschrank kühl gestellt werden. Bei der Lagerung sollten sie sich möglichst nicht berühren. Wattwürmer sondern ein Sekret ab, mit dem sie ihre Wohnröhren befestigen. Diesem Sekret sagt man nach, es töte die Wattwürmer untereinander.

Daher beschafft man sich Wattwürmer nach Möglichkeit immer erst unmittelbar vor dem eigentlichen Angeln. Für Landratten praktisch: In Angelläden entlang der Küste bekommt man fast immer welche, das Stück zu 30 bis 40 Pfennige. Und das sogar in Sturmphasen, in denen die Würmer eigentlich nicht gesammelt werden können. Der Trick: Die Wattwürmer werden für solche Gelegenheiten vorsorglich in speziellen Anlagen gehältert. 

Die Kehrseite von so viel Service: Man muß damit rechnen, auch einmal Wattwürmer zu bekommen, die schon zu lange gehältert wurden. Sie sind äußerlich intakt und auch absolut lebendig. Aber da sie in den Hältertanks nichts fressen, wird ihr kostbarer, lockender Körpersaft nach und nach „verwässert“ und der Wurm verliert deutlich von seiner Fängigkeit. 

Daher kann es ratsam sein, gekaufte Wattwürmer direkt vor dem Angeln mit einer Wattwurmtunke zu behandeln. Besonders dann, wenn man beim Anködern nichts vom gelblichen Körpersaft auf den Fingern findet. Das Ausbleiben der Verfärbungen auf des Anglers Hand kann ein erster Hinweis auf zu lange Tankhälterung sein. 

Ebenso ist es mit rätselhaften Beißflauten: Der Brandungsangler rechts fängt, der linke fängt auch – nur man selbst sitzt mittendrin und weiß nicht, wieso man noch keinen Biss hatte… Manchmal beendet eine Wattwurmtunke schlagartig diese sonst unerklärliche Flaute.

Besser Selbersammeln

Erfahrene Meeresangler umgehen das Problem und sammeln ihre Würmer lieber selbst, wann immer es geht. In Tidengebieten ist das sogar recht einfach. Die Wattwürmer werden einfach bei Ebbe im trockengefallenen Watt wie Regenwürmer mit einer stabilen Grabegabel ausgegraben. Unübersehbarer Hinweis auf ihr Vorhandensein sind ihre Ausscheidungen: die vielen Sandkringel auf dem Watt. 

In der Ostsee, wo es Ebbe und Flut nicht gibt, sucht man ebenfalls nach diesen Kringeln. Dann kann man dort graben und den Aushub mit Hilfe eines Kiessiebes auf Wattwürmer durchsuchen. Oder man „plümpert“: Mit einem Plümper – meist aus einem Gummistampfer aus dem Sanitärbedarf gefertigt - wird der Bodengrund mit kräftigen Auf-und-ab-Bewegungen samt darin sitzenden Wattwürmern ausgespült. 

Nachdem sich die Schlickwolken gesetzt haben, sammelt man die auf dem Grund umherliegenden Wattwürmer mit einem kleinen Kinderkescher ein. Wichtig: Plümpern funktioniert nur dort, wo eine ausreichende Strömung die entstehende Wassertrübung schnell wegträgt. Andernfalls steht man man in einer trüben Sosse und sieht die freigespülten Würmer gar nicht. Bis sich die Trübung dann endlich setzt, haben sich auch die langsamsten Würmer wieder eingegraben.

Nicht verbrauchte Wattwürmer muß man nach einem Angeltag übrigens nicht unbedingt ins Wasser werfen. Sie lassen sich einfrieren und konservieren. Zum Einfrieren legt man sie Zuhause auf saugfähiges Papier, salzt sie ein und packt sie einen halben Tag in den Kühlschrank. Das Papier saugt die Feuchtigkeit auf, die Würmer werden dünner und fester. Danach kann man sie in einem Plastikbeutel einfrieren. Ganz Schlaue frieren sie sogar schon fertig aufgezogen am Haken ein. Bei Bedarf tauen die eingefrorenen Wattwürmer schnell wieder auf und sind dann zum Angeln gut verwendbar.

Zum Konservieren mit Salz legt man die Würmer einzeln in die Rillen einer Wellpappe. Die Würmer dürfen sich untereinander nicht berühren. Dann bestreut man sie reichlich mit Salz und rollt sie in der Pappe ein. Die Würmer werden hart und schrumpelig und und lassen sich kühl und trocken lange aufbewahren. Natürlich beißen die Fische lieber auf frische als auf eingefrorene oder konservierte Wattwürmer. Aber dafür sitzen die behandelten Würmer besser auf dem Haken und sind außerdem jederzeit verfügbar.

Braun oder Schwarz?

Zugegeben: Meist hat man nicht die Qual der Wahl, sondern muß nehmen, was kommt. In England jedoch, wo teilweise hochdotierte Wettkämpfe beim Brandungsangeln ausgetragen werden, kommt längst nicht jeder Wattwurm auf den Haken. Dort unterscheiden die Anglern zwei Arten: den Braunen und den Schwarzen Wattwurm. 

Der Braune Wattwurm ist der häufigere. Er ist meist hell gelblichbraun bis bräunlich-grün oder rotbraun gefärbt und nur selten länger als zehn bis fünfzehn Zentimeter. Er besiedelt vor allem die sandigen Bereiche im Watt und ist auch in der Ostsee bis etwa Hiddensee verbreitet. Er sitzt nicht allzu tief eingegraben im Meeresgrund und wird daher beim Wattwürmersuchen am häufigsten gefunden. Der Braune Wattwurm ist aber relativ weich und verträgt harte Würfe weniger gut als sein dunkler Vetter.

Der Schwarze Wattwurm ist dunkel rotbraun bis tief pechschwarz gefärbt. Er wird deutlich größer als sein heller Verwandter. In Norwegen findet man mitunter Exemplare vom Ausmaß einer gut abgewachsenen Havanna-Zigarre. Den Schwarzen Wattwurm zu finden, ist schwieriger. Er vergräbt sich tiefer im Watt als der Braune Wattwurm. Vielerorts findet man ihn 50-60 Zentimeter tief oder noch tiefer – dort, wo die helle Sandauflage des Watts in ihren schwarzen, mit Muscheln und Kies durchsetzten Teil übergeht. 

Wenn Sie die Gelegenheit zum Wählen haben, sollte Sie sich für den Schwarzen Wattwurm entscheiden. Er ist fester im Fleisch und sitzt deswegen besser auf dem Haken. Zweitens ist er auch größer. Häufig ist bereits ein einzelner Schwarzer Wattwurm ausreichend, um auch größeren Fischen einen lohnenden Happen anzubieten. Wenn man seine Wattwürmer kaufen muß, spart das auf Dauer Geld. Und, was das Wichtigste ist: Schwarze Wattwürmer haben einen höheren Jodgehalt. Dadurch bringen sie mehr Witterung ins Wasser und fangen letztlich besser. Und das ist es ja, was wir alle wollen: Mehr Fisch…

Beschaffen

Wattwürmer kann man kaufen oder selbst sammeln. In Tidengebieten werden die Wattwürmer bei Ebbe im trockengefallenen Watt wie Regenwürmer mit einer stabilen Grabegabel ausgegraben. In der Ostsee sucht man ebenfalls nach diesen Kringeln. Dann kann man dort graben und den Aushub auf Wattwürmer durchsuchen. Oder man spült die Würmer mit einem Plümper aus dem Grund und sammelt sie anschließend mit einem Wasserflohkescher ein. 

Aufbewahren

Lebend lassen sich die Würmer nur maximal drei bis vier Tage im Kühlschrank aufbewahren. Wer sie noch länger hältern will, benötigt einen aufwendige Anlage, die die Möglichkeiten eines Normal-Haushaltes übersteigt. Restwattwürmer lassen sich jedoch einfrieren oder einsalzen.

Verbessern

Verbessern muß man einen Wattwurm eigentlich nicht. Seine Fängigkeit beruht auf dem jodhaltigen Körpersaft, der die Fische magisch anzieht. Dennoch benutzen Meeresangler an ihren Vorfächern Lockperlen, Spinnerblättchen und Spin-o-Glows, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Um den großen Nachteil des Wattwurm – seine Weichheit – auszugleichen, wird er oft mit festeren Ködern wie Tintenfisch-Streifen, Seeringelwürmern oder gehäuteten Krabben auf dem Haken kombiniert. 

Verkaufs-Wattwürmer sind teilweise lange gehältert. Da sie dabei nicht fressen, wird ihr Körpersaft „wässerig“ und die Fängigkeit läßt nach. Dann kann es angebracht sein, den Wurm direkt vor dem Angeln mit einer Wattwurmtunke zu behandeln.

Zielfische

Der Wattwurm ist der Tauwurm des Salzwassers, praktisch jede Fischart im Meer frißt ihn. Unverzichtbar ist er aber in der Brandung auf Dorsch, Aal und Flunder sowie beim Naturköderfischen vom Boot auf Wittling, Schellfisch, Schollen und Klieschen. Übrigens: Der Wattwurm fängt auch in einigen Brack- und Süssgewässern hervorragend.

Name:

Wattwurm