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Angeltechnik Trolling

Schleppen-Trolling

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Beschreibung

Noch vor 15 Jahren war es gerade mal eine Handvoll unterschiedlicher Blinker, mit denen auf der Ostsee geschleppt wurde. Heute überblicken selbst Trolling-Experten kaum noch das Blech-Angebot. Da ist es nur zu verständlich, wenn Schleppangel-Neulinge nach dem sichersten Verführer fragen. Die ehrlichste Antwort klingt ernüchternd: Es gibt ihn nicht, den ultimativen Schleppblinker.

Daher geben wir zunächst einige allgemeine Hinweise, ehe wir uns dann doch dazu durchringen, fünf der erfolgreichsten Metalle aus der Trolling-Szene vorzustellen. Die Wahl des Blinkers wird von zahlreichen Faktoren bestimmt: Fanggebiet, Jahreszeit, Tageszeit, Zielfisch, Wetterverhältnisse, Fangtiefe, Wassertemperatur, Schleppgeschwindigkeit, und und und. Selbst Anhänger von Faustregeln werden erkennen, dass es unmöglich ist, der Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten dieser Faktoren jeweils einen Blinkertyp zuzuordnen.

 

Das Tempo entscheidet

 

Der wichtigste Hinweis lautet vielmehr: Jeder Köder kann fangen. Wichtig indes: Man muss an ihn glauben und die jeweilige Schleppgeschwindigkeit muss zum Blinker passen. So wenig Sie diese Binsenweisheiten befriedigen werden, so wichtig sind sie.

Selbst der beste Schleppblinker wird nichts fangen, wenn der Angler ihn nicht mit der passenden Geschwindigkeit anbietet oder ihn schon nach kurzer Zeit ohne den erhofften Anbiss gegen einen anderen auswechselt.

 

Die Form des Blinkers bestimmt sein Laufverhalten, das bei einer ganz bestimmten Geschwindigkeit optimal ist. Praktisch jeder handels­übliche Schleppblinker ist fängig, wenn er mit der richtigen Geschwindigkeit angeboten wird. Da mit mehreren Ködern geschleppt wird, sollten sie alle  ähnliche Ideal-Geschwindigkeiten haben, ansonsten verfehlen immer einige ihr bestes Laufverhalten.

 

Dabei ist die genaue Geschwindigkeit aber gar nicht so leicht zu ermitteln. Die Geschwindigkeit, die am GPS-Gerät abgelesen wird, bezeichnet die Geschwindigkeit des Bootes „über Grund“, die Strömungen bleiben dabei unberücksichtigt. Sie verrät also nicht die „Geschwindigkeit durchs Wasser“. Ein Speed-Sensor am Echolot hingegen misst zwar die Geschwindigkeit des Köders. Da der Sensor in den seltensten Fällen kalibriert ist, lassen sich die Werte von einem Boot aber nicht genau auf ein anderes übertragen. Und es wird noch komplizierter: Strömungen können in der Wassersäule unterschiedlich stark sein und verschiedene Richtungen haben, so dass der Speed eines höher laufenden Blinkers durchaus anders sein kann als der eines tiefer laufenden.

Was also tun? Wer nicht in sündhaft teure Messgeräte investieren will, der sollte sich auf seine anglerische Nase verlassen. Ein wertvolles und einfaches Hilfsmittel ist ein kurzer Stock an Bord mit einer Leine für einen regelmäßigen Kontrolllauf von Ködern neben dem Boot während des Schleppens. Zum allgemeinen Verständnis: Trolling-Experten sprechen von einer langsamen Fahrt bei 1 bis 1,5 Knoten, 1,5 bis 2 Knoten ist ein eher durchschnittlicher Speed, während alles jenseits von 2 Knoten als flott bis schnell eingestuft wird.

 

Keine Scheu vor XXL

 

Wer aus der Küsten- oder Fluss­fischerei auf Meerforellen kommt, wird beim Schleppen auf der Ostsee durchweg zunächst zu kleine Blinker anbieten. Beim Trolling jedoch sollte man seine Scheu überwinden und auch mit großen Ködern experimentieren. Selbst kleine Forellen vergreifen sich an wuchtigen Löffeln von mehr als zehn Zentimeter Länge.

In Sachen fängiger Farben könnte man jetzt etwas von Blau-Silber oder Grün-Gelb erzählen, oder über eine den Heringen ähnliche Farbgebung. In der Angelpraxis wird aber jede Farb-Regel, kaum hat man sie aufgestellt, auf den Kopf gestellt. Es gibt keine Farbe, auf die wirklich nie etwas geht, oder auf die immer was geht.

Eine gewisse Tendenz jedoch liegt darin, dass bei sonnigem Wetter, wenn das Licht tief ins Wasser eindringt, eher Köder mit einer silbernen Grundfarbe (durchaus auch farbig überlasiert) fangen, während bei düsterem Wetter und trübem Wasser klare, poppige Farben ziehen.

Ein eigenes Phänomen ist es, dass in manchen Jahren bestimmte Farben insgesamt super gehen, in anderen jedoch überhaupt nicht. Erfahrene Schleppangler haben das erkannt und tauschen ihr Wissen regelmäßig aus, weil die eigenen Angeltage auf dem Wasser meistens nicht ausreichen, um genügend Eindrücke darüber zu sammeln, welche Köder gerade am besten fangen.

Name:

Trolling

Weitere Namen:

Schleppen-Trolling

Methode:

Bootsangeln

Gruppe:

Meeresangeln

Anfüttern:

Ohne Anfüttern

Minimale Rutenlänge:

210 cm

Maximale Rutenlänge:

315 cm

Rollenart:

Multirollen
Stationärrollen

Tipps und Tricks

Fünf Fängige

 

Fünf starke Blinker, die bei solch einem Erfahrungsaustausch immer wieder genannt werden, wollen wir auch hier nennen:

 

1. Der Northern King, NK, wie er abgekürzt allgemein genannt wird, ist der Standardköder schlechthin. Ihn gibt es in mehreren Größen und Ausführungen sowie in unzähligen Farbvarianten. Er ist ein klassischer Flutterspoon (Fachbegriff für dünnblechige Blinker). Am gebräuchlichsten ist der 11,5 Zentimeter lange NK Mag. Gelegentlich findet hierzulande auch sein kleinerer Bruder NK 28 (9,5 Zentimeter) Verwendung. Der NK kann über ein breites Spektrum an Geschwindigkeiten eingesetzt werden, sowohl am Downrigger, Planer Bord oder auch hinter Tauchhilfen. Kurzum eine Universal-Waffe!

 

2. Während der NK eine Schöpfung aus den USA ist, stammt der Breakpoint aus Skandinavien und ist - obwohl er schon lange gehandelt wird - wohl einer der am meisten unterschätzten Köder. Ihn gibt es in den Größen M, L und XL, wobei der XL (15 Zentimeter) am beliebtesten ist. Er macht wesentlich weiter ausschlagende Bewegungen als der NK. Für einige Schleppangler vergeht kein Angeltag, an dem sie keinen Breakpoint XL anbieten.

 

3. Die schwedische Alternative zum NK heißt Ismo Qwack. Er erfreut sich vor allem bei denjenigen, die lieber etwas langsamer fahren, großer Beliebtheit. Der Ismo ist aus etwas dünnerem Blech gestanzt und spielt daher auch schon bei leichtem Zug, wenn der NK noch schlapp in den Seilen hängt. Für die Lachsangler gibt es den Ismo Qwack (11,5 Zentimeter) auch noch in einer großen Ausführung namens Magnum (15 Zentimeter).

 

4. Wie der Ismo ist auch der Pirat vor allem dann fängig, wenn nicht zu schnell gefahren wird. Im Vergleich zum NK hat er bei ähnlicher Länge (12 Zentimeter) das etwas breitere Blatt und daher etwas mehr Anströmfläche. Übrigens gibt es vom Pirat eine Ausführung mit einem eingeprägten Totenkopf am oberen Blattende (Joe’s Pirat) und eine vom Blatt her praktisch nicht zu unterscheidende ohne Totenkopf. Es gibt Angler, die behaupten, das letztere deutlich weniger Fische fängt. Minimale Unterschiede in der Blechstärke mögen da eine Rolle spielen.

 

5. Der Apex ist kein Blinker im herkömmlichen Sinne, denn er besteht nicht aus Blech. Vielmehr ähnelt er einem Schuhanzieher aus Kunststoff. Er wird mit einem Durchlaufsystem mit einem Einfachhaken geliefert. Dieser Haken funktioniert erstklassig, ein Tausch gegen einen Drilling ist deshalb nicht erforderlich. Der aus der kanadischen Berufsfischerei stammende Köder macht härtere Ausschläge als Blechblinker und reizt vielleicht gerade deshalb die Meeresräuber. Einige Ausführungen haben ein etwas breiteres Blatt, das vor allem bei langsamer Fahrt gut läuft, während die eher schmaleren Modelle auch deutlich höhere Geschwindigkeiten vertragen. Am gebräuchlichsten sind die um 10 Zentimeter langen Ausführungen.