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Angeltechnik Jiggen

Faulenzen, Jig, Gummifischangeln

  • Hat die theory nicht einen zu geringen schnureinzug, also ich meine die 3000er Größe ... -49cm sonst ist diese doch oft beim jiggen um die 70 cm ... Ist das nicht schwer so zu angeln ?

    Danisfishing / 23.06.2013 - 23:53 Uhr
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Beschreibung

Mit den Gummiködern kam aus den USA auch eine neue Art der Köderführung zu uns: Man ließ den Köder in Abständen auf den Grund aufschlagen. Jiggen heißt diese Technik, bekannter wurde sie in Anlehnung an die ersten Gummiwürmer unter dem Begriff Twistern. Damit gelang der Durchbruch beim Spinnfischen mit Kunstködern auf Zander. Das war schon eine echte Herausforderung, vor der die Angler in den 80er Jahren urplötzlich standen: Zander sollte man plötzlich ganz gezielt mit den neuartigen Würmern (Twistern) und Fischlein (Shads) aus Weichplastik fangen können. Zander beim Blinkern also! Als „blinkern“ bezeichnete man nämlich damals noch so ziemlich jede Art der Köderführung beim Spinnfischen. Und das waren vor der weichen Welle eher metallene Spinner und Blinker oder Wobbler aus Holz und Plastik. Dass man mit diesen traditionellen Kunstködern früher so wenige Zander fing, lag jedoch nur bedingt an den Ködern selbst und auch nur eingeschränkt an den schlechteren Zanderbeständen. Wie könnte man sonst erklären, dass Wobblerfischen auf Zander heute auf einmal so gut funktioniert? Es galt nun zunächst, die Lebensgewohnheiten eines Fisches zu berücksichtigen, die stark von denen des weitaus populäreren Hechtes abwichen. Blinkern war gleichbedeutend mit „Hechte fangen“ oder vielleicht auch mal einen Barsch. Die Köder wurden stets so geführt, dass man ganz einfach keine Zander damit ansprach!


Grundkontakt von Anfang an

 

Sogar die neue Zander-Wunderwaffe Gummiköder wurde zunächst von den Anglern wie ein Spinner oder Blinker eingesetzt, also eher gleichmäßig durchs Wasser gekurbelt. Dagegen muss man zwei Dinge wissen, wenn man Zander gezielt mit einem Gummiköder ansprechen will: Erstens packen Zander den Köder in neun von zehn Fällen beim Absinken und eben nicht wie Hechte oder Barsche beim Einkurbeln. Und zweitens wird der Zander erst durch das Aufschlagen des Köders am Grund so richtig gereizt! Beide Effekte gleichzeitig erzielen wir nur, wenn wir den Köder konsequent und an fast freier Leine zum Grund sinken lassen. Und dies immer und immer wieder! Es dauerte gut zwei Jahre, bis sich in Deutschland eine Szene entwickelte, die sich mit dieser Köderführung vertraut machte und sie nach und nach zur Meisterschaft brachte. Erster Fortschritt: Man ging nicht mehr „blinkern“, sondern „twistern“! Doch wie wird richtig getwistert? Nach dem Auswerfen muss der Köder zunächst einmal den Gewässergrund erreichen. Dies ist wichtig, um Wassertiefe, Bodenbeschaffenheit und eventuell auch Unterströmungen zu beurteilen. Setzt der Köder hart am Boden auf, sackt die Schnur immer abrupt zusammen. Dies ist ein deutliches Zeichen für einen ‚Boden aus Kies, Sand oder Steinen, wie ihn der Zander liebt. Und auch meist für wenig Strömung! Würde die nämlich in der Schnur greifen, würde auch das Aufsetzen des Köders abgebremst werden. Diesen Effekt des sanften Aufsetzens spüren wir auch dann, wenn der Boden weich und schlammig ist. In der Regel kann dann auch gleich der Platz gewechselt werden, weil dies nicht gerade idealer „Zandergrund“ ist. Ach ja: Lassen Sie bei großer Wassertiefe immer den Rollenbügel nach dem Wurf auf und die Schnur unter Spannung durch Ihre Finger gleiten. So kann der Köder an Ort und Stelle den Grund erreichen und kommt nicht ein gutes Stück auf Sie zu, wie er es an gespannter Schnur täte. Nur an flachen Stellen oder bei starker Strömung empfiehlt sich ein sofortiges Schließen des Rollenbügels. Es ist wichtig, dass Sie sich konzentriert mit dem ersten Aufsetzen des Köders beschäftigen. Weniger, weil es da draußen besonders häufig zu Bissen käme. Wie Sie in einem späteren Kapitel noch erfahren werden, ist eher das Gegenteil der Fall. Vielmehr ist dieser erste Moment entscheidend, ob Sie es schaffen, den Köder bis vor Ihre Füße zu kontrollieren! Fehlt schon da draußen das Gefühl, wird man es auf der gesamten Laufstrecke nur schwer erlangen können.


Auf und nieder, immer wieder!

 

Beim klassischen Twistern oder Jiggen wird der Köder nun durch Anheben der Rutenspitze vom Boden wegbewegt. Anheben ist sehr schmeichelhaft formuliert: Angesichts des manchmal aggressiven Beißverhaltens der Zander wird die Schnur richtig gepeitscht, um den Köder zügig nach oben schnellen zu lassen. Viele Jigger garnieren die Aufwärtsbewegung der Rute sogar noch mit einigen kurzen Rucken und variieren das Köderspiel beim Ansteigen stark. Wie wir allerdings inzwischen wissen, gerät der Köder bei allzu hohen Sprüngen auch schon mal aus dem Gesichtsfeld der Zander. Die stehen hart am Boden und nehmen einen Köder, der zu hoch läuft, nicht mehr wahr – Stichwort „binkern“, Sie erinnern sich. Auch ist es für den Zander viel weniger spannend, was der Köder in dem Moment macht, in dem er vom Boden nach oben schnellt. Das weckt bestenfalls die Aufmerksamkeit für die vermeintliche Beute. Zur Attacke bläst der Zander erst, wenn der Happen verführerisch zum Boden taumelt. Genau das bewirkt man beim Jiggen durch das Absenken der Rutenspitze bei gleichzeitigem Nachkurbeln frei gewordener Schnur auf die Rolle. Unten angekommen ist die Rutenspitze nun bereit für den nächsten Hieb nach oben. Und so weiter und so fort. Unglaublich viele Variationen hat diese Urform des Twisterns hervorgebracht: vom Anziehen in mehreren Stufen bis hin zum einfachen Schleifenlassen des Köders am Grund, das durch ein sehr langsames Anheben der Rutenspitze bewirkt wird. Im Winter übrigens durchaus einen Versuch wert! Allzu leicht gerät man beim Jiggen jedoch in die Gefahr, dass die größere Aufmerksamkeit des Anglers dem Anheben des Köders gilt, die eigentlich interessante Absinkphase jedoch eine eher untergeordnete Rolle spielt, wird doch die Rutenspitze stets nach unten abgesenkt, um ein Absinken des Köders zu erzielen – und zeitgleich auch noch Schnur mit der Rolle aufgewunden. Man muss schon ein sehr geübter Angler sein, um bei dieser doppelten Beschäftigung und der Abwärtsbewegung der Rute einen zarten Absinkbiss zu registrieren und sofort auf Anhieb umzuschalten. Genau hier kommen die Vorzüge einer anderen Technik ins Spiel, die gerne als Faulenzermethode bezeichnet wird, obwohl sie mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit erfordert.


Faulenzen

 

Die „Faulenzermethode“ ist eine ebenso geschickte wie erfolgreiche Vereinfachung des Jiggens. Jörg Strehlow hat diese fängige Technik mitentwickelt und ist von ihren Vorzügen überzeugt. Diese Methode mit der ruhenden Rute hat einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber den traditionellen Techniken: Die Aufmerksamkeit des Anglers gilt nicht der Phase, wenn der Köder ansteigt. Warum auch? Wenn hier ein Fisch zupacken würde, setzt man aufgrund der vorhandenen Schnurspannung ohnehin instinktiv, quasi aus Schreck, seinen Anhieb. Das Besondere beim Faulenzen ist dagegen die hundertprozentige Konzentration auf die Absinkphase des Köders. Mit der Rute im Anschlag und der Schnur stets im Blick erkennen wir jeden zarten Zupfer sofort und reagieren blitzschnell mit der Rute aus einer optimalen Position. Gerade die Angler, die zuvor Bisse in der Absinkphase gar nicht erst mitbekommen haben, konnten ihre Fänge nachweislich deutlich verbessern.


Kurbeln bringt Bewegung

 

Das Beste an der Faulenzermethode ist jedoch, wie der Name schon ausdrückt, ihre verblüffende Einfachheit. Nach dem Auswerfen und beim ersten Absinken des Köders ist alles noch genau so, wie es zuvor schon beim Jiggen beschrieben wurde: Die Schnur wird mit flach gehaltener Rute kontrolliert, bis der Köder schließlich am Grund angekommen ist und sich die Schnur sichtbar entspannt. Doch nun beginnen die deutlichen Abweichungen! Die Rutenspitze bleibt gesenkt, etwa in der Waagerechten, und die Schnur wird mit mindestenss einer, höchstens vier schnellen Kurbelumdrehungen eingeholt. Je nachdem, wie hoch Sie nun am Ufer stehen und wie tief das Wasser ist, schnellt der Köder mehr oder weniger steil nach oben. In jedem Fall verlässt er in einer relativ flachen Bahn den Gewässergrund und bleibt während der gesamten Köderführung immer im Gesichtsfeld des Zanders! Ein deutlicher Vorzug gegenüber den aggressiven Jig-Praktiken, bei denen der Köder meist aus dem Sichtbereich des Räubers heraus katapultiert wird. Möglicherweise können Sie sich nicht vorstellen, dass man mit einfachem Kurbeln auch tatsächlich einen deutlichen Sprung des Köders bewirken kann. Dann verdeutlichen Sie sich einfach, dass eine moderne Stationärrolle meist eine Übersetzung zwischen 1:4,5 und 1:6,0 hat. Das bedeutet, mit einer Kurbelumdrehung dreht sich der Rotor viereinhalb bis sechs Mal! Das sind zwischen 60 und 80 Zentimetern Schnureinzug pro Kurbelumdrehung, also bei viermal Drehen locker zweieinhalb Meter. Das reicht dicke! Im Winter hat es sich sogar bewährt, lediglich einen halben oder sogar nur einen viertel Kurbelschlag zu machen. Diese kleinen, flachen Sprünge sind bei trägen Zandern sehr wirkungsvoll, bewirken sie doch gleichzeitig auch ein wahres Feuerwerk an Klopfsignalen am Grund. Im Frühling, Frühsommer und im flachen Wasser geben wir hingegen mit drei oder vier Kurbelschlägen richtig Gas! Wenn auf einem Prallhang im Fluss der Strom auf uns zu kommt, sind manchmal sogar fünf oder sechs Kurbelumdrehungen nötig, um die Wasserbewegung auszugleichen. Dies könnte man dann schon als „Power-Faulenzen“ bezeichnen.


Die Rute stets im Anschlag

 

Beim Anziehen des Köders bleibt die Rute auf jeden Fall ruhig und sie bleibt unten! Nun kommt die entscheidende Phase, nämlich das Absinken des Köders. Und die Rute wird wieder keinen Zentimeter bewegt. Bestenfalls bei starkem Seitenwind ist es sinnvoll, die Spitze leicht in den Wind zu halten. Ansonsten ist ein Winkel zwischen Rute und Schnur (wie übrigens auch beim Jiggen) tabu. Zuviel Kraft ginge bei einem Anhieb verloren, wenn die Rute senkrecht nach oben schnellt. Und mit einem seitlichen Anhieb sind Sie immer langsamer als mit einem senkrechten! Also möglichst Rute und Schnur in einer Linie führen und genau die Absinkbewegung des Köders mit dem Auge verfolgen, bis sich die Schnur entspannt, wenn der Köder wieder am Boden angekommen ist. Dann setzen wir sofort zum nächsten Kurbeln an und sorgen somit für eine hohe Klopf-Frequenz am Grund. Klassische Absinkbisse sind meist recht zaghaft und somit nur bei hoher Konzentration zu erkennen. Oft scheint der Köder einfach nur unnatürlich früh am Grund angekommen zu sein. Manchmal ist es nur ein ganz sachter Ruck in der Schnur oder ein minimales seitliches Wegziehen. Ganz selten schlägt es so richtig in der Rute ein, der Biss ist dann nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren. Allerdings nur, wenn Sie eine saubere Rutenhaltung umsetzen: Nur der kleine Finger greift die Rolle hinter dem Rollenfuß. Der große Rest der Hand sitzt vor der Rolle. Am besten haben Sie den Zeigefinger lang auf dem Rutengriff aufliegen oder –­ wenn es Ihnen besser passt – auch den Daumen. Drücken Sie nun den Rutengriff einfach mit Zeigefinger oder Daumen an Ihren Unterarm an. Dies sorgt für ein steifes Handgelenk, das auch über einen langen Angeltag nicht mehr ermüden kann, und zusätzlich für eine ideale Rutenposition für den pfeilschnellen Anhieb! Das Hängerrisiko beim Faulenzen ist aufgrund der optimalen Köderkontrolle sehr gering. Wenn Sie allerdings den Köder mit flacher Rute über ein Hindernis führen wollen oder dicht an der Steinböschung fischen möchten, dann schlägt die Quote in den negativen Bereich aus.


Hänger vermeiden

 

Dennoch lassen sich solche Situationen ganz hervorragend faulenzend meistern. Und zwar ganz einfach, indem Sie rechtzeitig vor dem Hindernis oder der Uferkante mit der Rute von der Waagerechten in die Senkrechte übergehen. Der Köder sinkt nun wesentlich steiler und wird sich viel seltener festsetzen als bei flacher Rutenführung. Außerdem können Sie mit etwas Übung den Köder nun auf die Steinböschung und bis vor Ihre Füße gleiten lassen. Ideal ist die steile Rute auch bei flachem Wasser auf große Distanz, um die Absinkphase zu verlangsamen. Oder generell dann, wenn eine sehr scharfe Strömung oder markante Unterströmung die Köderführung erschweren. Dann bieten Sie mit Ihrer ohnehin schon recht dünnen geflochtenen Hauptschnur der Strömung so wenig Widerstand, dass ein Aufsetzen des Köders am Grund auch wieder bei Ihnen bemerkbar wird. Bleibt die Frage, ob man mit so einer steilen Rute überhaupt noch einen kraftvollen Anhieb setzen kann. Bei einer sorgfältigen Geräte-Kombination mit harter Rute und geflochtener Schnur ist das kein Problem. Ziehen Sie einfach den Arm hoch nach hinten, wenn Sie einen Biss spüren oder sehen. Im Nahbereich vor den Füßen oder im Flachwasser wird keine höhere Fehlbissrate zu beklagen sein. Anschlagen sollten Sie ohnehin schon beim geringsten Verdacht – unabhängig davon, ob Sie sich nun für das klassische Jiggen oder doch eher für das Faulenzen begeistern!

Name:

Jiggen

Weitere Namen:

Faulenzen, Jig, Gummifischangeln

Methode:

Spinnfischen

Gruppe:

Raubfischangeln

Anfüttern:

Ohne Anfüttern

Minimale Rollengröße:

1000

Maximale Rollengröße:

5000

Minimale Rutenlänge:

240 cm

Maximale Rutenlänge:

300 cm

Rollenart:

Multirollen
Stationärrollen

Tipps und Tricks