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Angeltechnik Fliegenfischen mit Nymphen

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Beschreibung

Fliegenfischer-Legende Charles C. Ritz sagte einmal sinngemäß, dass 85 Prozent des Erfolgs in den Händen des Werfers liegen und nur 15 Prozent in der Wahl der richtigen Fliege. Diese Einschätzung gilt selbstverständlich nicht nur für die Trocken- und Nassfliege, sondern genauso für die Nymphe. Bei dieser ist vielleicht sogar in einem noch stärkerem Maße die Wurftechnik entscheidend für den Erfolg. Wir wollen hier dem Ausspruch des Altmeisters Ritz Rechnung tragen und die wichtigsten Würfe mit der Nymphe vorstellen.

 

Entscheidend für die erfolgreiche Präsentation der Nymphe ist, dass diese schnell und genau in Bodennähe serviert wird. Zu Fehlern und Misserfolgen kommt es dabei oft durch die Verwendung von falschen Vorfächern. Ein konisch verjüngtes Vorfach, wie es zum Fischen mit der Trockenfliege verwendet wird, ist denkbar ungeeignet. Daran gelangt die Nymphe nicht schnell genug durch die rasch fließende Oberflächenströmung zu den Fischen in Bodennähe. Verwendet man dagegen ein Vorfach aus zwei monofilen Teilen in einer Stärke von 0,22 bis 0,18 Millimeter im oberen Teil und in einer Stärke von 0,18 oder 0,14 Millimeter im Spitzenteil, steigert das die Sinkgeschwindigkeit der Nymphe erheblich. Je geringer der (gleichmäßige) Durchmesser des Vorfachs, desto schneller wird es innerhalb der gleichen Driftstrecke sinken. Die Länge des Vorfachs richtet sich nach der Strömung und der geschätzten Wassertiefe plus einer Zugabe von mindestens einem Meter. Die Gesamtlänge des monofilen Vorfachs kann, bei einem Spitzenteil von 3 Meter und einem oberen Teil von 2 Meter, bis zu 5 Meter betragen. Das Vorfach muss unbedingt entfettet werden, damit es ungehindert absinken kann. Um auf die gewünschte Tiefe zu kommen, kann man auch Einfluss auf das Gewicht der Nymphen ausüben. Zum einen lässt sich die Größe des Musters variieren, zum anderen kann man die Art der Beschwerung (z.B. Größe des Goldkopfes) verändern. Die Schnurführung mit der Rute spielt beim Nymphenfischen eine sehr wichtige Rolle. Mit der Rute wird die Richtung, Tiefe und Dauer der Schnurdrift beeinflusst. Zur Schnurführung gehört auch das Menden, also das Umlegen der Schnur auf der Wasseroberfläche. Die Bewegungen mit der Rutenspitze werden beim Nymphenfischen jedoch flacher ausgeführt als beim Fischen mit der Trockenfliege. Die Rute wird horizontal gehalten, damit die Schnurbögen enger ausfallen und die Schnur damit genau an die Strömungsverhältnisse angepasst umgelegt wird. Der Punkt, an dem die Schnur oder das Vorfach eintaucht, ist ein Fixpunkt, um den herum die Schnur beliebig stromauf- oder stromabwärts umgelegt werden kann. Unter gleichzeitigem Nachfüttern von Schnur kann man auch die Abdrift der Nymphe wirkungsvoll beeinflussen. Da, wo die Schnur ins Wasser taucht, ist also die entscheidende Stelle für den Nymphenfischer, die Stelle, an der die Weichen Richtung Fang gestellt werden. Die Tatsache, dass etwa 80 Prozent der gesamten Nahrungsaufnahme der Fische in Grundnähe erfolgt, erklärt, warum das Nymphenfischen eine so große Bedeutung hat. Nur 5 Prozent der Nahrung werden in der Mittelströmung aufgenommen und 15 Prozent in der Oberflächenschicht.

 

Auf Sicht

 

In einem nicht zu tiefen Gewässerabschnitt mit einer leichten Strömung wird watend oder vom Ufer aus mit relativ kurzer Leine und der entsprechenden Vorhaltedistanz der erspähte Fisch schräg stromabwärts angeworfen. Dazu eignet sich der zurück gestoppte Wurf oder der seitliche Bogenwurf.  Die eigenschwere Nymphe wird nun absinken und abtreiben. Die Fliege wird dem Fisch, dessen Aufmerksamkeit auf am Gewässergrund ­lebende Organismen gerichtet ist, direkt vor das Maul serviert. Mehrmaliges Anwerfen ist oft notwendig, um einen Biss zu provozieren. Bei ­in­aktiven Fischen kann die Nymphe vibrierend oder in kleinen Rucken geführt werden, um doch noch ein Zufassen zu erreichen. Oder man täuscht eine Fluchtbewegung vor, indem man die Fliege in einem langsam und stetigem Zug direkt vor den Fischen hochzieht.

 

Verzögerte Abdrift

 

Bei gleichmäßiger Strömung im mitteltiefen bis tiefen Wasser empfiehlt es sich, mit einem Bogenwurf Richtung Flussmitte zu werfen. Man folgt mit der Rute der Abdrift nach, um die Nymphe auf Tiefe zu bringen . Die Leine baucht sich leicht und man mendet wieder stromaufwärts, wobei gleichzeitig ein bis zwei Klänge Leerschnur nachgegeben werden. Die Nymphe wird dadurch in ihrer Abdrift verzögert und steigt durch den stromaufwärts gerichteten Energieschub in die Höhe. Die letzten Meter der Schnur liegen dabei in Fluchtlinie mit dem Vorfach und der Nymphe. Auch die Rute weist schräg gegen die Strömung. Nun geht man wieder mit, bis man das Gefühl hat, dass die Nymphe bis in Bodennähe abgesunken ist – mendet wiederum – und so fort. In der Endphase steigt die Fliege auf und wird durch langsames Verkürzen der Leine herangeholt, wobei auch hier mit einem Anbiss zu rechnen ist.

 

 

In der Tiefe

 

In tiefen, langsam fliessenden Gewässern werden gerne eigenschwere Vorfächer verwendet. Die Nymphe wird mittels eines Rollwurfs oder eines ‘Tuck Casts’ querüber geworfen.

Nach dem Auswerfen beginnt, zugleich mit dem Absinken, die Driftphase . Die Strömung erfasst nun die Schnur und beginnt sie auszubauchen.  Jetzt könnte man gegenmenden, um die Geschwindigkeit beim Herumtreiben zu verringern. In der langsamen Strömung des Tiefenwassers ist dies aber nicht unbedingt notwendig. Wird der Schnurbauch beibehalten, fühlt man das Gewicht des Vorfachs. Um ein vorzeitiges Anheben der Nymphe zu verhindern, lässt man entsprechend der Fließgeschwindigkeit Leerschnur nachgleiten. Das Gewicht des eigenschweren Vorfachs bewirkt, dass die Nymphe mit Hilfe des Schnurnachfütterns in ­Bodennähe bleibt. Nun wird der Schnurbogen jedoch durch die rasche Strömung an der Oberfläche immer größer. Je mehr sich der Strömungsdruck verstärkt, um so schneller muss Reserveleine nachgefüttert werden. In dieser Lage beginnt der Wasserdruck die Schnur von allein durch die Ringe zu ziehen. Gleichzeitig kommt es zu einer seitlichen Verschiebung der Driftbahn, die sich unterhalb des Anglers befindet. Dies ist jedoch nicht von Nachteil, da Vorfachbeschwerung und Nymphe seitlich am Fisch vorbeitreiben. Durch entsprechende Führung kann man so das Aufs-Ufer-Zukriechen einer Steinfliegenlarve imitieren. In der Schlussphase, die man selbst bestimmen kann, indem man keine weitere Schnur mehr nachgleiten lässt, steigt die Nymphe in einem Bogen hoch. Dies ist eine äußerst anbissverdächtige Phase.

 

Auf Verdacht

 

Mit einem Bissanzeiger wird die Nymphe an unbekannten, tiefen Stellen auf Verdacht angeboten. Nachdem die Nymphe mit einem Rollwurf schräg stromaufwärts abgelegt wurde, sinkt sie, selbst wenn sie leicht ist, ungehindert ab, sofern vorher das Vorfach entfettet wurde. Währenddessen nimmt die Oberflächenströmung die Leine mit. Wenn die Nymphe Bodennähe erreicht hat, während die Schnur mit dem Biss­anzeiger etwa auf der Höhe des Anglers angelangt ist und sich bereits ein Schnurbauch gebildet hat, verengt man diesen durch einen horizontalen Schwipp der Rutenspitze stromabwärts. Dabei entsteht im letzten Viertel der Leine ein deutlicher Knick. Im schnellen Wasser muss dieser Bogen sehr eng ausfallen, da der Druck auf die Leine groß ist. Die Schnur hat aufgrund der schnelleren Oberflächenströmung die in trägere Wasserschichten abtauchende Nymphe bereits überholt. Damit der U-förmige Schnurbauch am Leinenende erhalten bleibt, wird laufend durch kleine Schwipps in die Strömung hinaus stromab gemendet und gleichzeitig Schnur nachgefüttert. Alternativ dazu kann man jedoch in Phase 5 einen großen Mendingbogen gegen die Strömung hinaus legen und in gleicher Weise Leerschnur nachfüttern. So kann die Nymphe sauber mit der Strömung abtreiben, ohne dass sie seitlich versetzt wird. Da die Nymphe in der bodennahen Strömung langsamer treibt, weil sie hinten nachgezogen wird, kann man der Nymphe durch kurzes Anhalten oder Zuckeln mit der Rutenspitze Leben verleihen. Erfolgt während der Drift ein Biss, wird der Indikator gegen die Strömung gezogen oder taucht ab. Am Ende der Drift, wenn gegebenenfalls die gesamte Leinenlänge ausgebracht worden ist, steigt die Nymphe hoch und treibt herum. In dieser Phase erfolgt oft eine vehemente Attacke. Beim Anhieb führt man die Rute parallel zur Wasseroberfläche stromauf. Dadurch wird der Leinenbogen verkürzt und die Fliege stromabwärts beschleunigt, wobei der Fisch sicher im Maulwinkel gehakt wird.

Name:

Fliegenfischen mit Nymphen

Methode:

Fliegenfischen

Gruppe:

Fliegenfischen

Anfüttern:

Ohne Anfüttern

Minimale Rutenlänge:

240 cm

Maximale Rutenlänge:

285 cm

Rollenart:

Fliegenrollen

Tipps und Tricks