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Angeltechnik Big Game-Trolling

  • Vermutlich habe ich auch bald mal die gelegenheit im Pazifik auf ein Big Game Boot zu kommen.

    Fischundbier / 10.09.2016 - 09:45 Uhr
  • HAMMERGEIL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    rheinguiding / 06.12.2013 - 23:49 Uhr
  • nice!

    Sven S. / 10.04.2013 - 10:29 Uhr
  • Die Rückenflosse der Schwertfische ist echt wunderschön!

    Fill90 / 25.09.2012 - 16:52 Uhr
  • hamma

    jonas adelhardt / 21.08.2012 - 15:59 Uhr
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Beschreibung

Das Problem „Ausrüstung“ wird dem Angler bereits bei der Wahl und Zusammenstellung des Gerätes bewusst. Mit welchem Angelgerät respektive mit welcher Schnurstärke will man den Kampf wagen? Dabei weiß man zu Beginn eines Angeltages eigentlich nie, auf welchen Gegner man treffen wird, und wenn, wie groß und schwer er sein wird. Die Schwierigkeiten bei der Wahl des Angelgerätes beschränken sich aber nicht nur auf den Grundsatz „light“ oder „heavy“, sondern sind auch eine Frage der Einstellung zur sportlichen Ethik und der finanziellen Mittel. Zudem kann ein geeignetes Gerät für den Fang eines Game-Fisches in Florida zwar goldrichtig, in Australien hingegen völlig nutzlos sein. Auf den Kanarischen Inseln bleiben Ihnen in der Regel mehrere Stunden Zeit, um einen Marlin müde zu drillen, in Tahiti aber nur rund dreißig Minuten, bis ein Hai „Ihren“ Fisch in Stücke zerrissen hat und Sie nur noch Kopf, Skelett und Schwanzflosse einrollen. In Sesimbra (Portugal) wäre der Versuch, einen zentnerschweren Hai-, Thun- oder Schwertfisch mit leichtem Gerät von einem dort zum Sportfischen verwendeten kleinen Ruderboot aus zu fangen, absolut hoffnungslos, es würde Tage dauern.

 

Hier muss mit schweren Bootsruten und großen Multirollen, die mindestens 600 Meter 60-kg-(130 lbs) Leine fassen, gekämpft werden. Mit exakt dem gleichen Gerät würde Sie ein Skipper in Cabo San Lucas (Mexiko) jedoch gar nicht erst an Bord kommen lassen. Dort wird auf Marlin üblicherweise mit Ausrüstungen der 24-kg-(50 lbs) Klasse und leichter geangelt. Ein jederzeit und universell für jeden Fischtyp passendes Gerät gibt es nirgends zu kaufen, und wer sich nicht mit einer kompletten Angelgeräte-Serie eindecken kann (oder will!), der ist mit einem Gerät der 10 kg (20 lbs) und mit einer Ausrüstung der 24-kg-(50 lbs) bzw. 37-kg-(80 lbs) IGFA-Klasse gut beraten.

 

Optimale Voraussetzung für ein erfolgreiches Angeln am Meer verlangt aber auch das Abstimmen von Rute, Rolle und Schnur auf den zu erwartenden Fisch.

 

 

Dabei müssen die folgenden Kriterien zueinander passen:

 

 

1. Die richtige Rolle an der passenden Rute.

2. Die richtige Schnur auf der entsprechenden Rolle.

3. Die Knotentechnik.

 

 

Sportangeln kann aber nur dann als „Sport“ bezeichnet werden, wenn dem Fisch beim Drill eine reelle Chance eingeräumt wird. Als sportliche Faustregel setzt sich dabei weltweit immer mehr das Verhältnis von 1:3 bis 1:5 für den Fisch durch. Diese Werte beziehen sich auf die Reißfestigkeit der Angelschnur im Verhältnis zum wahrscheinlichen Gewicht des zu erwartenden Fisches. Wiegt ein Blauhai ca. 70 bis 80 kg, wählt man ein Gerät der 24-kg- (50 lbs) Klasse, in einem Seegebiet, wo der Marlin bisweilen die 180- bis 200-kg-Grenze übertrifft, gibt man einem Gerät der 36-kg-(80 lbs) Klasse den Vorzug. Passionierte Hochseeangler erkennt man nicht an einer Top-Ausrüstung, sondern vielmehr an der richtigen Wahl und Zusammensetzung des Angelgerätes. Hier werden von Greenhorns die größten Fehler gemacht.

 

 

Meeresangeln ist auch nicht auf eine Angeltechnik beschränkt.

Man unterscheidet im Salzwasser wie im Süßwasser verschiedene Kombinationen und Arten:

 

 

1. Treib- und Grundangeln

2. leichtes bis ultra-schweres Schleppangeln

3. Spinnfischen

4. Brandungsfischen

5. Fliegenfischen

 

 

Dementsprechend variiert die Ausrüstung, variiert die Tragkraft der Angelschnur. Grundsätzlich ist einem Anfänger bei der Beschaffung des Angelgerätes eines dringend zu raten: Lassen Sie sich von einem wirklichen Fachmann beraten. Und: Im Salzwasser sind nicht Chrom, Farbe, Verzierung und anderer Schnickschnack an Ruten und Rollen gefragt, sondern Strapazierfähigkeit, Haltbarkeit und Witterungsbeständigkeit!Diskussionen in Big Game-Kreisen über Qualitäten von Ruten, Rollen, Schnüren, Haken sowie über Boote, Fangtechniken und Köder sind endlos und führen nie zu einer einheitlichen Meinung (Gott sei Dank!). Dafür werden wir Angler auch nach einem „leeren“ Angeltag mit abendfüllenden Gesprächen über dieses und jenes erfreut, und diese Nächte dauern dann bestimmt um ein vielfaches länger als der nächste Drill mit einem Hai-, Thun-, Schwertfisch oder Marlin.

 

 

Schnüre

 

1. Monofile Schnüre

 

Monofile Schnüre sind die gebräuchlichsten Angelleinen für alle Angelmethoden mit Ausnahme der „schweren“ Hochseeangelei (IGFA-Klasse 60 kg = 130 lbs) und des Fliegenfischens. Gegenwärtig zeichnet sich aber die Tendenz ab, daß monofile Schnüre auch in den stärksten IGFA-Leinenklassen immer häufiger eingesetzt werden. Monoleinen werden einfädig – aus einem Stück – gezogen, wobei die Ausgangsbasis bei allen monofilen Schnüren nahezu identisch ist. Erst durch spezielle Fertigungsmethoden des Herstellers werden dann zum Teil erhebliche Qualitätsunterschiede erreicht. Die größte Schwierigkeit bei der Produktion von Monoleinen ist das Erreichen eines absolut gleichmäßigen Schnurdurchmessers. Denn die effektive Tragkraft einer Schnur richtet sich immer nach der dünnsten (schwächsten!) Stelle. Beim Gebrauch von Stationärrollen ist auch am Meer nur Monoleine zu empfehlen, da bei Dacron ungünstige Reibungsverhältnisse auftreten. Bei kleineren und mittelgroßen Multirollen ist die Meinung zwar geteilt, doch wird der preisgünstigeren Monoschnur meist der Vorzug gegeben. Bei der „schweren“ Meeresfischerei ist die Wahl zwischen Mono und Dacron weitgehend eine Geschmackssache des Anglers, wobei man bei der Monoleine bedenken muss, dass sie sich beim Kampf mit einem Großfisch stark dehnt und dann aufgerollt nicht mehr auf die Rolle passt. Darum sollte sich auf jeder Multirolle, die mit Monoleine bestückt ist, eine 20 bis 40 Meter lange Dacron-Nachschnur befinden und erst darüber die (Mono-) Hauptschnur (nicht randvoll!) aufgerollt sein.

 

 

2. Dacron-Schnüre

 

 

Dacron-Schnüre sind geflochten und daher kaum dehnbar. Gute Dacronleinen sind mehrfach geflochten und weitgehend unverrottbar, aber viel empfindlicher als Monoleinen gegen Scheuern an Bootswänden und Riffkanten etc. Ein großer Vorteil der Dacronleine ist, wie bereits erwähnt, die Tatsache, dass sie sich selbst bei extremen Zug kaum dehnt. Dies kann beim Angeln auf große Thune, Marlins und Schwertfische von entscheidender Bedeutung sein, da der Anhieb bei schnell schwimmenden Großfischen oft über erhebliche Distanzen rasch und kräftig gesetzt werden muss, wozu eine dehnbare Schnur ungeeignet ist. Generell ist eine Monoleine ab 0,80 mm Durchmesser steif und lässt sich kaum noch gleichmäßig aufspulen, während eine Dacronleine erheblich weicher und geschmeidiger ist und bei gleicher Schnurstärke einen geringeren Durchmesser aufweist.

 

Die folgende Aufstellung soll Ihnen als Richtlinie für die Wahl der Schnurstärke entsprechend der zu erwartenden Fischart dienen:

Mono oder Dacron?

 

Vor- und Nachteile auf einen Blick:

 

 

Beide Leinenarten zeigen eine gute, wenn auch nicht unbegrenzte Widerstandskraft gegen chemische und mechanische Korrosion. Sonne und Hitze setzen der Spannkraft der Schnüre zu, und vor allem bei Monoleinen nimmt die Dehnung bei steigender Temperatur erheblich zu. Bei gleicher Schnurstärke ist der Durchmesser bei Dacron geringer als bei Mono, womit sich auf die gleiche Rolle mehr Dacron- als Nylonschnur aufwickeln läßt. Bei gleicher Reißfestigkeit ist Dacron weniger elastisch als Monofilament, was einen besseren Anhieb erlaubt. Allerdings kann Monoschnur durch ihre Elastizität heftige Schläge im Drill besser auffangen und über die Rute ableiten. Nach jedem Kampf nimmt die Reißfestigkeit jeder Angelschnur ab. Es gibt keine allgemein gültigen Werte, doch geht man von einer Abnahme der Tragkraft von etwa 5 bis 10 % aus. Generell bleibt die Wahl der Angelschnur eine Geschmackssache des Anglers, wobei man davon ausgehen kann, dass sich Vor- und Nachteile von Mono- und Dacronschnüren in etwa aufheben.

 

 

Vorfächer

 

 

Vorfächer aus monofilen Nylonschnüren, gedrehten oder geflochtenen Stahldrähten sind meist gleich stark oder stärker als die verwendete Hauptschnur, da sie spitzen Zähnen, scharfen Kiemendeckeln und reibeisenartiger Fischhaut widerstehen müssen. Drahtvorfächer besitzen oft bei erstaunlich geringem Durchmesser eine hohe Tragkraft. Bei monofilem (einfädigem) Draht bedeutet jedoch ein Schlaufenkink einen Reißkraftverlust von bis zu 90 %, bei gedrehtem oder geflochtenem Stahldraht bedeutet jeder geknickte „Faden“ 10 bis 30 % Tragkraftverlust. Deshalb sollte man Stahl- (und Mono-) Vorfächer nach jedem Biss kontrollieren und wenn nötig auswechseln. Beim Hochseeangeln muss das Vorfach viele Eigenschaften in sich vereinen:

 

- Extrem hohe Reißfestigkeit bei minimalem Durchmesser (= minimale Sichtbarkeit).

 

- Gute Elastizität bei möglichst großer Widerstandsfähigkeit gegen scharfe Fischzähne, kräftige Schwertschläge und ruckartige Kopf- und Körperbewegungen gehakter Meeresfische. Welchem Vorfachmaterial (Mono, Stahl) man den Vorzug gibt, hängt weitgehend vom Fisch und von der Fangmethode ab. Haien und Barrakudas mit einem Monovorfach nachzustellen, ist verlorene Zeit (und Geld!), hingegen ist beim Marlinfang monofiles Nylon als Vorfach in der Regel mit einer ca. 30 bis 50 % besseren Bißquote verbunden. Das Monovorfach ist weicher und geschmeidiger als Draht oder geflochtener Stahl und wirkt beim Anbiss als idealer „Stoßdämpfer“.

Im Prinzip darf man Nylon als Vorfach auf Thun- und schwerttragende Fische als geeignet betrachten, obwohl die feinen Thunfischzähne und die winzigen Schwertzähne von Marlin, Schwert- und Segelfischen dem „Mono“ enorm zusetzen. Eine allgemein gültige Regel für die Wahl des Vorfachmaterials gibt es eigentlich nicht, sondern diese bleibt weitgehend dem Angler überlassen. Nur bei Haien ist die Frage des Vorfaches gelöst, und Sie werden große Schwierigkeiten haben, einen Big Game-Experten zu finden, der sich mit Ihnen darüber in eine Diskussion einlässt. Wie montiert man ein Vorfach?

 

- Nylon wird am einfachsten geknotet, indem starkes Nylon mit Zahnseide am Knoten umwickelt wird. Das Ende wird erhitzt, um ein Durchrutschen durch den Knoten zu verhindern.

 

- Gedrehte oder geflochtene Stahlvorfächer sichert man mit zwei Klemmhülsen an jedem Ende des Vorfaches.

 

- Drahtvorfächer (einfädig) werden nach dem Biegen der Schlinge auf einer Länge von etwa 20 cm parallel nebeneinandergelegt, dann wird das freie Ende um den anderen Teil geschlungen (nicht gedreht!). Der Rest wird etwa einen Zentimeter unterhalb der Wicklung abgezwackt.

 

 

Knoten

 

 

Ein richtig gebundener Knoten ist beim Hochseeangeln von entscheidender Bedeutung. Keine noch so teuren und fein aufeinander abgestimmten Angelgeräte sind in der Lage, einen schlecht gebundenen Knoten zu kompensieren.

Beim Forellenangeln mag der Knoten keine entscheidende Rolle spielen, aber beim Hochseeangeln ist das Verhältnis von Schnurtragkraft zum Gewicht des Fisches teilweise so krass, dass man nichts verschenken kann.

 

Grundsätzlich gilt es beim Thema Knoten folgendes zu beachten:

 

- Der Knoten ist stets das schwächste Glied in der Kette.

 

- Einen schlecht geschlagenen Knoten erkennt man in der Regel an seiner unförmigen Erscheinung.

 

- Im Drill strapazierte Knoten verlieren an Tragfähigkeit und müssen regelmäßig erneuert werden.

 

- Die Knoten wenn möglich vor dem Angeltörn fertigen. Es geht an Land bequemer und sicherer als auf einem unruhig schlingernden Schiff.

 

 

Wirbel

 

 

In keinem Gerätekasten darf eine ausreichende Kollektion guter salzwasserfester Wirbel fehlen, obwohl auch sie beim Schleppangeln keine Garantie gegen verdrallte Angelleinen sind. Der Standardwirbel ist verchromt oder schwarz, aber niemals „goldfarben“, denn dies würde unweigerlich die Jagdlust eines Kingfisches oder eines Barrakudas wecken. Wirbel zum Angeln im Meerwasser haben gewöhnlich ein Kugellager, sind kräftig und korrosionsbeständig.

 

 

Senk- und Tiefengleiter

 

 

Senker und Tiefengleiter haben den Köder in die gewünschte Tiefe zu bringen bzw. zu schleppen. Sie werden zum Grund-, Floß- und Schleppangeln vom Boot und von der Küste gebraucht.

Schwere Schleppbleie von 500 oder 1000 g. haben beim Schleppen und beim Drill stets eine starke Belastung für Rute und Leine bedeutet. Deshalb wurden in den letzten Jahren spezielle Tiefengleiter für die Schleppfischerei in tieferen Wasserzonen entwickelt.

Der Surfing-Paravan ist zwar bedeutend leichter als die herkömmlich verwendeten Senkbleisysteme, doch sind die gelb- bzw. rosafarbenen Pink- oder Yellow Lady-Kunststoffschlitten die optimalere Lösung, da sie praktisch ohne Eigengewicht beim Drill das Einholen der Leine kaum behindern.

 

 

Haken

 

 

Hochseeangelhaken sollten aus bestem rostfreiem Stahl geschmiedet sein und dürfen auch bei stärkster Belastung weder brechen noch sich aufbiegen. Es gibt auf dem Markt so viele Modelle, dass man mühelos den besten Haken für die jeweilige Fangmethode finden kann.

Wichtig für die Fängigkeit eines Angelhakens ist, dass er beim Anhieb gut in die zum Teil erstaunlich harten Fischkiefer eindringt.

Dabei sind Form und Weite des Hakenbogens, die Länge des Hakenschenkels und besonders die Schärfe der Hakenspitze ganz entscheidend.

Deshalb finden Sie in jedem Big Game-Gerätekasten eine Feile zum Nachschleifen der Haken.

 

 

Kriterien der Hakenwahl:

 

 

- Fress- bzw. Bissgewohnheiten der erwarteten Fischart

 

- Form und Größe des Fischmauls

 

- Art bzw. Montage des verwendeten Köders

 

 

Nach diesen Kriterien wählt man die Öffnung, die Schaftlänge und die Spitze des Hakens:

 

Grundsätzlich rechnet man: Hakengröße 1/0 bis 5/0 für kleinere Meeresfische (Snapper, Meerbarsche, Bonefische, Meeräschen etc.).

Hakengröße 6/0 bis 8/0 für kleinere Großfische (Tarpon, Barrakuda, Kingfische, kleinere Haie und Thunfische).

Hakengröße 9/0 bis 12/0 für Großfische (Segelfische, Marlin- und Schwertfische, große Barsche, Thunfisch etc.).

Hakengröße ab 14/0 für Thun- und Haigiganten, Riesenmarline und große Schwertfische.

 

 

Die wichtigsten Hakentypen

 

 

1. Haken mit großer Öffnung, gerader Spitze und kurzem Schaft.

Haken mit parallel zum Schenkel verlaufender Spitze dringen beim Biss besser ein, da die Zugwirkung der Schnur optimal auf den Haken übertragen wird. Der richtige Haken für künstliche Köder.

 

2. Haken mit mittellangem Schaft und nach innen gerichteter Spitze.

Eine nach innen gerichtete Hakenspitze dringt zwar beim Biß nicht so leicht ein, lockert sich aber im Drill kaum noch. Der ideale Haken für Thunfische, Haie und Tarpons, aber nicht für schwerttragende Fische.

 

3. Haken mit relativ kleiner Öffnung, mittellangem Schaft und geschränkter Spitze.

Ein Haken mit seitlich gerichteter (geschränkter) Spitze verhakt sich automatisch, wenn er zwischen den Kiefern eines schwerttragenden Fisches eingeklemmt wird. Der richtige Haken bei natürlichen Ködern. Bei künstlichen Ködern würde ein solcher Haken wie ein Propeller wirken und Ihre Schnur in kurzer Zeit hoffnungslos verdrallen.

 

 

Ruten

 

 

Die heutigen Vollglas-, Hohlglas- und Kohlefaser-Bootsruten haben die früher verwendeten Bambus- und gesplißten Holzruten längst von den Weltmeeren verdrängt. Lebensdauer und Widerstandsfähigkeit dieser neuen Bootsruten-Generation sind zwar wesentlich verbessert worden, doch mit dem Verschwinden der alten „Hickory“-Ruten ist auch ein Stück Big Game-Romantik auf der Strecke geblieben. Zudem lassen die Bootsruten-Hersteller von Japan bis Amerika in Sachen Ästhetik oft einiges zu wünschen übrig. Beim Preis kann man teilweise erhebliche Unterschiede feststellen, auch wenn das Produkt sich nur geringfügig von einem wesentlich preisgünstigeren Konkurrenzprodukt unterscheidet. Ein universell verwendbares Rutenmodell, das allen Anforderungen der verschiedenen Angeltechniken am Meer entspricht, gibt es nicht und wird wohl nie entwickelt werden. Zu verschieden sind die Anforderungen, welche die unterschiedlichen Angelarten an das Gerät stellen.

 

 

Rollen

 

 

Die Rolle ist das letzte Glied in der Kette des Angelgerätes. Sie ist sozusagen das Herzstück der Ausrüstung, von der Komfort, aber auch Erfolg oder Mißerfolg abhängen. Sie muss robust gebaut, stoß- und salzwasserfest sein und Wind und Wetter jahrelang widerstehen können, was außerordentlich hohe Ansprüche an die Rollenmechanik stellt. Über die Lebensdauer einer zum Meeresangeln verwendeten Rolle entscheidet aber nicht nur die Fertigungsqualität des Herstellers, sondern auch der Angler selbst. Wer viele Jahre lang Freude an seiner Rolle haben will, muss diese regelmäßig warten und sie nach jedem Angeltag gründlich mit Süßwasser abspülen. Prinzipiell werden zwei Arten von Rollentypen unterschieden, die heutzutage auch weitgehend mit den verschiedenen Angelarten am Meer identifiziert werden.

Für die Spinnfischerei sowie für das leichte Grundangeln verwendet man in der Regel große Stationärrollen. Diese können für alle Schnurstärken von 1 kg bis 10 kg verwendet werden, vor allem für Fische, die keine langatmigen Sprinter sind, da das Fassungsvermögen der Stationärrollen relativ gering ist. Der Schwachpunkt dieser Rollen ist die Bremse: Bei vielen Modellen läuft die Schnur nur ruckartig und nicht gleichmäßig aus. Außerdem kann man die Bremse oft nur ungenau einstellen und im Drill nur nach eigenen Schätzungen nachstellen, was oft zum Abreißen des Fisches führt. Für stärkere Mono- oder Dacronleinen sind Multirollen besser geeignet: Die stabilere Bauart, die besseren Bremssysteme und das größere Schnurfassungsvermögen sind ausschlaggebend. Mit den in allen Weltmeeren erprobten Penn Senator-Rollen (Größen 4/0-16/0) sind seit vielen Jahren bewährte Multirollen auf dem Markt. Aber eine Multirolle mit einer Sternbremse garantiert keinen „automatischen“ Sieg beim Kampf mit einem Großfisch. Der anfangs bei voller Spule eingestellte Bremszug verstärkt sich bei kleiner werdendem Spulenradius, d. h., je mehr Leine ausläuft, desto stärker sperrt die Bremse, oder bei halbleerer Spule wirkt die Bremse etwa doppelt so stark und bei dreiviertel-leerer Spule etwa dreimal so stark, wie der anfangs eingestellte Bremszug. Der Angler muss also während des Drills in der Lage sein, die Sternbremse zu verstellen. Die einzige Hilfe dabei ist die Rutenaktion. Sie zeigt dem Angler an, ob und wann er den Bremszug verstärken bzw. lockern muss, der Rest ist reine Erfahrungs- und Gefühlssache. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden die meisten IGFA-Rekorde zuerst mit der „Ocean B“ und dann mit Penn Senator-Rollen aufgestellt. Doch mit den danach bremstechnisch weiterentwickelten Multirollen mit im voraus und während des Drills leicht auf die verwendete Schnurklasse einstellbarer Schiebebremse (lever drag) wurden diese Rekorde ständig verbessert. Zudem garantieren diese Rollen bei auslaufender Schnur immer einen gleichbleibenden Bremszug, so daß der Angler im Verlauf des Drills lediglich einen von ihm gewünschten stärkeren oder schwächeren Bremszug nachzustellen braucht.

 

 

Das Schnurfassungsvermögen von Multirollen ist:

 

 

Größe 4/0 ca. 1000 m Mono à 10 kg (20 lbs) oder ca. 550 m Mono à 15 kg (30 lbs),

Größe 6/0 ca. 1000 m Mono à 15 kg (30 lbs) oder ca. 550 m Mono à 24 kg (50 lbs),

Größe 7 1/2 ca. 800 m Mono à 24 kg (50 lbs) oder ca. 450 m Mono à 37 kg (80 lbs),

Größe 9/0 ca. 600 m Mono à 37 kg (80 lbs) oder ca. 450 m Mono à 60 kg (130 lbs),

Größe 12/0 ca. 1000 m Mono à 37 kg (80 lbs) oder ca. 600 m Mono à 60 kg (130 lbs),

Größe 14/0 ca. 1000 m Mono à 60 kg (130 lbs).

 

Nach eigenen Erfahrungen kann das Fassungsvermögen der Multirollen je nach Schnurmaterial (Mono, Dacron) und Hersteller die genannten Werte noch übertreffen.

Gaff, Rückengurt und Gimpel. Zum Landen von Großfischen sind geeignete Landungshilfen unerläßlich. Während man kleinere Fische am einfachsten und sichersten mit einem Kescher an Bord holt, müssen mittelgroße Fische mit einem kräftigen Gaff gelandet und Salzwasser-Giganten mit fliegenden Gaffs und mehreren Helfern überwältigt werden. Weitere unentbehrliche Hilfen für den Big Game-Angler sind der Rutenfußhalter (Gimpel) mit gut gepolstertem Druckkissen und ein Rückengurt, in den die Rolle eingehakt werden kann.

Dieses „Geschirr“ unterstützt den Angler im Drill und erleichtert die Pumpbewegungen, die man vor dem ersten Biss unbedingt im „Trockentraining“ üben sollte.

Lederne Handschuhe schützen die Hände vor der auslaufenden Leine, und eine gute Sonnenbrille bricht die Sonnenreflektierungen auf dem Wasserspiegel.

 

 

Wie immer beim Angeln, so auch beim Big Game: Der richtige Köder ist der Schlüssel zum Erfolg.

 

 

Natürliche Köder

 

 

Beim Angeln auf große Haie, Marline, Schwertfische und Thunfische ist es genau so wichtig wie beim Lachs-, Hecht- oder Forellenfischen, den Köder dem zu erwartenden Fisch anzupassen.

Dass weder ein Wattwurm noch eine Garnele für einen mehrere hundert Pfund schweren Großfisch von Interesse sind, versteht sich von selbst. Welchen Köder verwendet man aber nun für Meeresfische von dieser Größe? Die erfolgversprechendste Fangmethode für Großfische in allen Weltmeeren ist das Schleppfischen mit ganzen Bonitos, Thun- und Kingfischen und Barrakudas usw., wobei zwei- bis vierpfündige Köderfische als kleinere, fünf- bis achtpfündige Köderfische als mittlere und Zehnpfünder (und schwerere!) als große Schleppköder gelten.

 

 

Montage von lebenden Schleppködern

 

 

Aber auch tote Köderfische und Fetzenköder (Fischfilets) sind entsprechend präpariert und richtig montiert fängig auf Großfische jeder Art und Größe. Die Favoriten vieler Top-Skipper sind der Ballyhoo und der große Tintenfisch (Sepia). In der Regel werden lebende Schleppköder nach dem Fang unverzüglich an bereitliegende Zweihaken-Systeme montiert. Dabei wird der erste Haken durch den Oberkiefer des Fisches gestoßen, der zweite Haken (Größe 9/0-12/0) an einem 40 bis 50 cm langen, am Öhr des ersten Hakens befestigten Draht- oder Stahlvorfach mit einem Zwirn (Zahnseide) an der Schwanzwurzel festgebunden. Nur kurze Zeit nachdem der Bonito gelandet wurde, schwimmt er am Zweihaken-„Tandem-System“ wieder im Kielwasser des nur noch mit mäßiger Geschwindigkeit weiterfahrenden Bootes. Die Crew holt zwei mit Ballyhoo, Tintenfischen oder pfundschweren Makrelen beköderte Vorfächer aus der Kühlbox, hängt sie an bereitstehende 24- bzw 37-kg- (50, 80 lbs) Ausrüstungen und läßt sie dann links und rechts vom Bonito auslaufen. Dann wird der Schnurlauf gestoppt und die Leine an den Auslegern links und rechts befestigt.

 

 

Montage von toten Schleppködern

 

 

Bei toten frischen oder aufgetauten Bonitos, Meeräschen, Fliegenden Fischen, Makrelen oder großen Sardinen muss ein Teil der Wirbelsäule entfernt werden, damit sie beim Schleppfischen möglichst natürliche Schwimmbewegungen zeigen. Gewöhnlich schlitzt man zu diesem Zweck den Fisch von der Schwanzwurzel bis zum After auf und entfernt die Hälfte der Wirbelsäule. Danach stößt man dem Köderfisch einen entsprechend steifen Draht mit abgebogenem Ende durch das Maul bis zum After, wo das Ende des Mono- oder Stahlvorfachs eingehängt und durch den Fischkörper aus dem Maul gezogen wird. Die Hakenspitze lässt man zum After herausschauen und vernäht den Schnitt der Wirbelsäule gründlich mit Nadel und Zwirn. Das Maul des Schleppköders wird ebenfalls mit einem Faden gut vernäht, damit beim „trolling“ kein Meerwasser in den Fisch eindringt und ihn „platzen“ läßt. Die Montage eines toten Ballyhoo, eines ausgezeichneten Schleppköders insbesondere für Marlin und Segelfisch: Man führt den Haken entweder von der Kopfunterseite durch den Körper oder einfach am Kopf von oben nach unten. Zum Befestigen am verlängerten Kiefer des Ballyhoo nimmt man einen feinen Stahldraht oder einen starken Zwirn. Einer der fängigsten Schleppköder überhaupt ist der Tintenfisch. Jedoch ist das richtige Befestigen des Hakens (Skizze oben) keine einfache Sache. Schauen Sie Ihrem Skipper genau auf die Finger, bevor Sie es selbst versuchen, damit Sie vor unliebsamen Überraschungen beim ersten Schleppversuch mit „Ihrem“ Tintenfisch verschont bleiben. Ein „Klumpen“ Tintenfisch ist kaum erfolgversprechend! Filetstücke aus der Flanke oder der Bauchseite eines Bonitos, einer Makrele oder Meeräsche und insbesondere das goldgelbe Filet eines Gelbflossenthuns sind ausgezeichnete Schleppköder für alle Großfische.

Allerdings sind auch Wahoo, Kingfisch und Barrakuda sehr an dieser Art Köder interessiert, und es kann durchaus passieren, daß der Ködervorrat nicht mit der Beißlust dieser Räuber mithalten kann.

 

 

Künstliche Köder

 

 

Künstliche Köder in Form von Jigs, Konaheads, Plastiktintenfischen, Löffeln, Wobblern und Fliegen werden uns heute überall auf der Welt in verwirrender Vielfalt zum Kauf angeboten. In den letzten Jahren wurden in aufwendigen Werbekampagnen immer wieder sogenannte Wunderköder wie „Jet-Lures“ und „Knuckle-Heads“ angepriesen. Aber leider blieben die „Wunderfänge“ damit weitgehend aus, und so kann uns die Industrie weiterhin nicht mit der absoluten „Wunderwaffe“ gegen Marlin, Thun- und Schwertfisch beglücken.

Die Frage also bleibt: Nehme ich einen rot- und blauschimmernden Löffel mit langer oder breiter Palette oder besser einen schlanken Wobbler mit oder ohne Gelenk, einen Plastikkopf-Jig mit Kunststoff-Fransen oder einen Bleikopf-Jig mit bunten Hühnerfedern usw. usw. usw. Diese Frage haben Sie sich in einem farbigen Katalog blätternd oder vor einem prallen Ladensortiment stehend sicher auch schon gestellt. Fängig sind sie ja alle, nur auf die Frage „Wann“ und „Wo“ kann Ihnen niemand eine verbindliche Antwort geben.

Ein Fisch unterscheidet seine Beute nach Art, Größe, Form, Farbe, Geräusch und Geruch, wobei beim Hai der Geruch dominiert und beim Marlin und Thunfisch Geräusch und Bewegung.

Diese Zuordnung ist natürlich sehr generell gehalten, und manche Sportangler werden ihr Veto in Form eines „Wenn und Aber“ anbringen, und das ist gut so.

Jeder Angler, der sich dem Meer verschrieben hat, wird früher oder später die Erfahrungen zahlreicher, ereignisvoller Großkampftage nutzen und auch eigene Kreationen versuchen. Wenn dann die Rolle eines Tages aufkreischt, sind wir fortan der felsenfesten Meinung, „den“ unwiderstehlichen Köder für jeden großen Thunfisch oder Marlin gefunden zu haben. Selbst wenn „unser“ Köder den Kampf nicht überdauern sollte, glauben wir auf dem richtigen Weg zu sein. Der Romantiker in uns hebt uns über die Tatsache hinweg, dem Geheimnis kaum einen Schritt näher gekommen zu sein.

Möge uns der Glaube an diesen oder jenen Köder erhalten bleiben, damit jeder Big Game-Angler mit seiner „Wunderwaffe“ auf den Weltmeeren umherstreifen und seinem großen Traum nachstellen kann.

 

Vergessen wir nie: Ein zentnerschwerer Meeresfisch hat alle Chancen, den Kampf gegen den Angler zu gewinnen.

 

I. Der Anhieb

Generell unterscheidet man beim Hochseeangeln Art und Zeitpunkt des Anhieb nach dem zu erwartendem Großfisch. Bei Hai-, Thun- und schwerttragenden Fischen ist dabei zu beachten:

 

Haifische: Beim Treibangeln auf Haie ist nach dem Anbiss gewöhnlich mit dem Anhieb zu warten, da der Haifisch den Köder zwar oft ungestüm packt und einige Meter mitschleppt, ihn aber dann ebenso plötzlich wieder loslässt, um die ausgemachte Beute nach einer kurzen Umrundung erneut zu packen. Verliert der Angler zu schnell die Geduld bei diesem Spiel, kann er bisweilen dem Hai den Köder förmlich aus d m Schleppfischen mit lebenden oder toten Köderfischen muss nach erfolgtem Anbiss die Multirolle unverzüglich auf Freilauf geschaltet und der Bootsdiesel gestoppt werden, damit kein Zug der Leine den Hai am Zupacken, Wenden und Verschlingen der Beute hindert. Durch dieses typische Biss- und Fressverhalten der meisten Haiarten lassen sich für den Angler folgende Erkenntnisse zusammenfassen: Mit dem Anhieb warten, bis der Hai den Köder richtig gepackt hat und sich mit der Beute davonmacht. Der Hochseeangler hat ja verbunden durch die Leine stets direkten Kontakt zum fressenden Fisch und kann anhand der Bewegungen des Fisches den Zeitpunkt des Anhiebs genau bestimmen. Den Anhieb dann in kurzer Folge mehrmals kräftig durch schnelles Heben und Senken der Bootsrute setzen. Zuvor muß die Leine durch Einrollen gestrafft werden, damit die Wucht beim Anhieb nicht im Wasser verpufft, sondern dem Fisch den Haken in den Schlund treibt. Thunfische: Große Thunfische packen ihre Beute im allgemeinen mit Wucht und versuchen, sobald sie den Haken und den Widerstand der Leine verspüren, ihr Heil in einer wilden Flucht von mehreren hundert Metern, wobei sie gleichzeitig in tiefere Wasserzonen abtauchen. Der Skipper des Charterbootes muß der ungestümen Flucht eines mächtigen Thuns folgen, wobei er stets darauf zu achten hat, daß Rute und Schnur möglichst eine gerade Linie mit der Zugrichtung des Fisches bilden. Den Anhieb schnell und kräftig setzen, obwohl der Thun sich bei seinem vehementen Anbiß meist selbst anschlägt. Wählerisch sind Thunfische bei der Nahrungsaufnahme zwar nicht, aber sie überhaupt auszumachen und den Angler in eine gute Fangposition zu bringen, verlangt vom Kapitän Erfahrung, Glück und ein gutes Auge. Thunfische sind schnell ziehende Schwarmfische der offenen See, die sich den Küsten nur selten bis auf wenige Meilen nähern. Meist ziehen sie fernab der Kontinente in 20 bis 60 Meter Tiefe ihres Weges. Nur dort, wo eine kräftige Strömung reichlich Fischbrut, Sardinen- und Makrelenschwärme in Küstennähe quirlt (z. B. im Humboldtstrom, im Golfstrom und an der ostafrikanischen Küste), jagen sie unmittelbar an der Wasseroberfläche und zum Teil dicht vor der Küste. Wer Jagd auf große Thunfische (Blauflossen-, Großaugenthun) macht, muß über ein kräftiges Gerät, Kraft und Ausdauer verfügen, denn der Drill mit einem Thungiganten dauert oft drei, fünf oder gar zehn Stunden und mehr!

 

Schwerttragende Fische (Marlin, Segel-, Speer- und Schwertfische): Schwerttragende Fische sind die heikelsten Großfische überhaupt. Beim Schleppfischen mit künstlichem Köder (Konahead, Jig etc.) muss der Anhieb unmittelbar nach dem Biss gesetzt werden, da Marlin, Schwert-, Speer- und Segelfische einen „erkannten“ Fremdkörper blitzschnell wieder ausspucken. Beim Angeln mit Köderfisch, Fetzenköder und Fischfilets ist das Erkennen des richtigen Zeitpunkts für den Anhieb noch schwieriger. Hier lassen sich kaum allgemein gültige Regeln aufstellen, da diese Game-Fische den Köder sehr unterschiedlich zu nehmen pflegen. Dies kann spitz und vorsichtig, vehement, aber auch spielerisch oder kräftig und entschlossen der Fall sein. Fingerspitzengefühl gepaart mit Erfahrung und Glück ist gefragt, wenn die Leine plötzlich ausläuft und Sie nach stundenlangem Warten unvermutet aus Ihrem „Halbschlaf“ gerissen werden. Hat der Fisch den Köder richtig gepackt und verschluckt oder nur mit dem Schwert attackiert und lauert jetzt irgendwo in der Tiefe? Die bei weitem erfolgversprechendste Methode ist der verzögerte Anhieb (dropback), wobei man den Fisch Schnur abziehen läßt, damit er keinen Widerstand verspürt. Beim Driftfischen wartet man, bis der Fisch das zweite Mal davonzieht, beim Schleppfischen zählt man 21, 22, 23, 24, 25, ehe man dem Kapitän ein Zeichen gibt: Vollgas, Rollenbremse einkuppeln und mehrmals kräftig anschlagen. Sitzt ein Fisch richtig am Haken, müssen alle anderen Schnüre sofort eingeholt werden, damit sich der (seitlich) fliehende Fisch nicht in anderen Leinen verfangen kann, was unweigerlich zu einem ganz fürchterlichen Schnursalat und zum Verlust des Fisches führen muß.

 

II. Der Drill

 

Der Drill im Big Game-Sport ist immer ein unerbittlicher Zweikampf Mensch gegen Fisch oder Intelligenz und Technik gegen Kraft und Ausdauer. Um einen 300-, 400-, 500- oder gar 1000-Pounder zu besiegen, muß alles zusammenspielen, bis ins kleinste Detail. Der Skipper muss das Boot richtig steuern, auch rückwärts auf den Fisch zu, wobei er bei jeder Kursänderung den drillenden Angler in einer möglichst günstigen Position zum Fisch halten muss, sonst ist der Kampf beendet, bevor er richtig begonnen hat. Der geringste Fehler des Anglers, der kleinste Manövrierfehler, und der Game-Fisch ist verschwunden. Zudem kann ein Großfisch jede noch so starke Bootsrute mit Kampfgriff mühelos in Stücke reißen, die Rollenachse einer Everol oder Penn-Senator 14/0 verbiegen, jede Mono- oder Dacronschnur überdehnen und jeden geschmiedeten Angelhaken (ob aus Norwegen oder aus Japan) aufbiegen und abbrechen. Die wichtigste Orientierungshilfe für den drillenden Angler ist die Biegung seiner Rute. Sie ist wie ein Barometer, welches dem Angler in jeder Phase des Fights anzeigt, wann er den Bremszug der Rolle lockern, wann verstärken muß. Dem kommt besonders in der ersten Phase des Drills große Bedeutung zu, weil mit zunehmender Ermüdung des Fisches auch seine Bewegungen langsamer und damit für den Angler leichter parierbar werden.

 

Doch Vorsicht, ermattete Großfische können oft unvermutet und schnell zu neuem Leben erwachen, und noch nach drei, vier, fünf Stunden Kampf (und mehr) kann ein großer Hai-, Thun-, Schwertfisch oder Marlin mit blitzschneller Körperdrehung oder mit einem kräftigen Schlag der Schwanzflosse mühelos eine 60-kg-(130 lbs) Schnur oder ein kräftiges Stahlvorfach zerreißen. Der eigentliche Drill beginnt nach dem Anhieb gleichzeitig mit der ersten Flucht des Fisches. Gewöhnlich rast ein gehakter Marlin, Thunfisch, Segel-, Speer- und Schwertfisch mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 90 km/h davon (Haie nehmen es gemütlicher!), um nach einigen hundert Metern beinahe regungslos am Ort zu verharren, um neuen „Atem“ zu schöpfen. Diesen Moment muss der Angler nutzen, um möglichst viel von der verlorenen Schnur zurückzugewinnen. Die weltweit angewandte Methode hierfür nennt man in Anglerkreisen Pumpen (pumping). Unter Mithilfe von Rückengurt und Kampfstuhl wird die Rute in gleichmäßigem Rhythmus mit dem Arm hochgezogen (nicht gerissen!), wobei beim Herablassen die so gewonnene Schnur auf die Rolle aufgespult wird. Während des ganzen Drills ist es von größter Wichtigkeit, daß die Schnur nie mehr durchhängt, sondern stets gestrafft bleibt. Wenn sich der Zug des Fisches merklich verstärkt, senkt man die Rute, lockert die Bremse etwas und wartet ab. Während einer schnellen Flucht des Fisches zu pumpen, ist absolut zwecklos und kostet den Angler nur unnötig Kraft. Die Methode des Pumpens ist nicht nur sportlich, sondern auch sehr wirksam, weil der Fisch zum Reagieren und damit zum Verbrauch seiner Kräfte gezwungen wird. Allerdings darf der Angler niemals vergessen, daß er sich meist selbst hart an der Grenze seiner physischen Leistungskraft befindet.

Bei Drills über mehrere Stunden ist es deshalb von enormer Wichtigkeit, dass er immer wieder etwas Flüssigkeit zu sich nimmt und vielleicht einen Vitaminriegel isst, damit der Körper die verlorene Substanz ersetzen kann. Aber Hände weg von Schnaps, Sekt und dergleichen, dafür bleibt nach dem Kampf abends beim Feiern der Trophäe an der Hotelbar noch genügend Zeit. Die Landung eines Großfisches ist eine schwierige und nicht ganz ungefährliche Angelegenheit. Schon viele rekordverdächtige Haie, Thune, Marline und Schwertfische sind noch kurz vor der Bootswand verlorengegangen.

 

 

III. Die Landung

 

 

Dem unerfahrenen Big Game-Angler ist in der Endphase des Drills, wenn die Doppelleine die Bootswand hochkommt, nur eines zu raten: ruhig bleiben und Hände weg vom Landen des Fisches. Überlassen Sie diese heikle Sache der erfahrenen Bootscrew. Unfälle wie jener, der sich Mitte der siebziger Jahre auf den Kanarischen Inseln zugetragen hat, lassen sich vermeiden: Ein Angler war seit mehreren Stunden im Drill mit einem großen Blauhai. In der Endphase des Kampfes, als das Stahlvorfach die Bootswand hochkam, ergriff der Angler blitzschnell das Vorfach und wickelte es sich mehrmals um den Unterarm, um „seinen“ Fisch, wie er später sagte, auf „Nummer Sicher“ zu haben.  Die Folge war, dass der bereits stark ermüdete Hai seine letzten Kraftreserven mobilisierte und einen letzten Fluchtversuch unternahm, wobei sich das Stahlvorfach blitzschnell zusammenzog und dem Mann den Unterarm abdrückte. Ein anderer Unfall ereignete sich vor etlichen Jahren vor der Küste Floridas. Ein Angler, der einen mächtigen Thunfisch am Haken hatte, verfing sich beim Landen des Fisches unglücklich mit dem Arm in der Doppelleine, wurde vom Zug des Fisches augenblicklich über Bord gerissen und konnte später nur noch tot geborgen werden. Aber auch beim Landen kleinerer bezahnter, stachel- oder schwerttragender Meeresbewohner (Barrakudas, Muränen, Rochen, Speerfischen, Segelfischen und kleinen Haien) ist Vorsicht geboten. Handschuhe sind immer zu tragen, und es ist genügend Abstand zum bezahnten Fischmaul, zur Schwanzflosse und zum Schwert zu halten. Ein 2 1/2 Meter langer Hai kann einem Menschen mühelos mit einem Schwanzschlag das Schienbein zertrümmern, und ein Schwert ist eine ungemein wirksame und gefährliche Waffe, die selbst in jede Holzplanke problemlos einzudringen vermag. Manche Fische lassen sich relativ leicht drillen und schon nach kurzer Zeit zum Boot bringen, wo der „zahme“ Gegner dann plötzlich zum hartnäckigen Derwisch wird. Insbesondere Thunfische wenden diese „Taktik“ mit Vorliebe an. Kreisförmig umrunden sie das Boot, tauchen gelegentlich unter den Schiffsrumpf, um dort einige Zeit zu verharren und dann urplötzlich mit kräftigen Flossenschlägen in irgendeine Richtung davonzujagen. Der Angler läuft dann ständig hin und her oder hängt mit dem schweren Angelgerät der 60-kg-Klasse halb über der Bootswand und flucht lauthals über das ganz und gar „unsportliche“ Verhalten seines Gegners, der gemütlich unter dem Boot Platz genommen hat oder gemächlich das schwankende Fangboot umrundet. Für kleinere Fische und für Thunfische verwendet man ein Gaff mit langem Stiel und festem Haken. Aber für Marlin und Schwertfisch sind fliegende Gaffs notwendig, denn einen „explodierenden“ Marlin kann niemand mit dem Griff eines festen Gaffs halten.

 

 

Grundregeln beim Gaffen und Landen

 

 

Der Fisch muss durch gleichmäßiges Ziehen am Vorfach (Doppelleine, Stahlvorfach) ans Boot gebracht werden. Ruckartiges Zerren erschreckt den Fisch, was dieser gewöhnlich mit einer weiteren Flucht quittiert. Nur gaffen, wenn der Haken richtig gesetzt werden kann. Wenn die Hakenspitze den Fisch nur verletzt und wieder abrutscht, kann der Fisch „explodieren“, davonrasen und die Schnur zerreißen. Ein Haifisch wird am Maul gegafft, ein Marlin am Kopf, Thunfische und kleinere Fische relativ weit hinten, aber nicht am Bauch. Ein Marlin, Schwert-, Speer- und Segelfisch wird schwertvoran an Bord gezogen, ein Thunfisch schwanzvoran, und ein großer Hai wird am besten außenbords festgezurrt, da er noch nach Stunden plötzlich zu „neuem“ Leben erwachen kann und dann wild um sich schlagend Füße und Schiffsmobiliar zertrümmert.

Name:

Big Game-Trolling

Methode:

Bootsangeln

Gruppe:

Meeresangeln

Anfüttern:

Ohne Anfüttern

Minimale Rutenlänge:

180 cm

Maximale Rutenlänge:

240 cm

Rollenart:

Multirollen

Tipps und Tricks